19. Aug 2017     |    Kontakt    |    Impressum    |    Sitemap    |    Druckversion    |     

Homöopathie    


Geschrieben von: Peter Jennrich  


Geschichte der Homöopathie

Die Homöopathie als Heilverfahren wurde 1797 von Dr. Samuel Hahnemann (1755 bis 1843) begründet. Der grundlegende Gedanke dabei ist, dass die Krankheiten mit kleinsten Mengen von genau den Arzneimitteln behandelt werden, die am gesunden Körper ähnliche Erscheinungen (Symptome) hervorrufen, wie die zu behandelnde Krankheit.
Dieser Grundsatz wird als „Ähnlichkeitsregel“ bezeichnet, und lautet auf lateinisch „similia similibus curentur“. Die Ähnlichkeitsregel geht auf den griechischen Arzt Hippokrates zurück, der im 5. Jahrhundert vor Christus lebte. Bereits Hippokrates verwendete Mittel in niedriger Dosierung um Krankheiten damit zu behandeln, die den Symptomen ähnlich waren, die das gleiche Medikament in hohen Mengen hervorruft. Auch Paracelsus, der im 16. Jahrhundert lebte und wirkte, war der Überzeugung, dass giftige Stoffe, die in hoher Dosierung krank machen, in sehr kleinen Mengen bei ähnlichen Beschwerden heilend wirken können.
300 Jahre später entdeckte Hahnemann diese Regel "neu". Im Jahre 1790 beobachtete Hahnemann in einem Selbstversuch mit Chinarinde, dass diese Substanz bei ihm als gesundem Menschen genau diejenigen Symptome erzeugte, gegen die sie bei Kranken eingesetzt wurde. Hahnemann erprobte und erforschte 6 Jahre lang an sich selbst und an anderen gesunden Freiwilligen viele weitere Substanzen  und kam immer wieder zu dem Ergebnis, dass Arzneien an Gesunden die Symptome hervorrufen, die sie bei Kranken wiederum heilen. Als Erster in der Medizin führte Hahnemann kontrollierte Experimente mit Arzneimitteln an gesunden Versuchspersonen durch. Erst als er genug Erfahrung gesammelt hatte, begann er mit der Behandlung von kranken Menschen. Die praktischen Ergebnisse bestätigten seine Theorien und Forschungsergebnisse: je größer die Übereinstimmung der Symptome der Krankheit und des Medikaments, desto größer war der Erfolg der Behandlung.
Er veröffentlichte die Grundlagen des neuen Heilverfahrens in Büchern und hielt Vorlesungen über die Homöopathie an der Universität Leipzig.
Wichtige Grundsätze der Homöopathie

1) Es wird Wert auf eine vorbeugende und -falls die Krankheitsursache leicht zu erkennen  und zu
entfernen ist- eine ursächliche Behandlung gelegt. Ansonsten orientiert sich die Therapie der
Krankheit an den Symptomen.
2) Die genaue  Beobachtung der Veränderungen im körperlichen und seelischen Befinden durch den
Arzt, den Patienten oder dessen Umgebung (Angehörige,..) ist von wesentlicher  Bedeutung.
3) Krankheit wird als Störung der nicht materiellen Lebenskraft verstanden.
4) Bestimmte Gifte führen nur bei entsprechender Schwächung oder Veranlagung zu einer Krankheit.
5) Die Krankheit wird als ganzheitliches Geschehen betrachtet. Das bedeutet,dass auch die     
Erkrankungen einzelner Organe von einer Schwächung oder Erkrankung des übrigen Körpers
abhängig sind und  als untrennbarer Teil des Gesamtorganismus anzusehen sind.
6) Die Therapie nach der Ähnlichkeitsregel ist Grundlage der Auswahl der Medikamente. Die Therapie
mit „Gegenmitteln“, die Symptome unterdrücken („contraria contrariis“) lehnt  Hahnemann wegen der
Gefahr der langfristigen Verschlimmerung oder der Entstehung neuer Krankheiten ab. In Notfällen ist
sie jedoch ausdrücklich erlaubt.
7) Um die Gesamtheit der Wirkungen eines homöopathischen Medikamentes zu erfassen, hält      
Hahnemann eine  Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen für erforderlich. Die    
Prüfungsrichtlinien für Arzneimittelprüfungen sind von Hahnemann genau festlegt worden. Ein
Arzneimittel gilt dann als ausgeprüft, wenn bei den Versuchspersonen, die zugleich als Prüfer tätig
sind, immer wieder dieselben Symptome auftreten, die auch schon von anderen Prüfern berichtet 
wurden. Die Gesamtheit aller durch eine Substanz hervorgerufenen Symptome ergibt das
sogenannte "Arzneimittelbild" dieser Substanz. Alle geprüften Substanzen und ihre Arzneimittelbilder
werden in der homöopathischen Arzneimittellehre (materia medica) zusammengefasst.  Dieses
subjektive Testverfahren der  Arzneimittelprüfung kann dazu führen, dass Symptome in das  
Arzneimittelbild aufgenommen werden, die während der Prüfung zufällig auftreten und in keinem 
Zusammenhang zur Testsubstanz stehen. Diese Fehlermöglichkeit kann durch die Auswahl
geeigneter Prüfer, eine genügend große Zahl von Prüfern, Prüfungswiederholungen und
Doppelblindversuche minimiert  werden.
Erstverschlimmerung

Gelegentlich kann nach der Gabe homöopathischer Mittel zu Beginn der Behandlung eine Verstärkung der Beschwerden festgestellt werden. Diese sogenannte Erstverschlimmerung, ist  darauf zurückzuführen, dass das Arzneimittel die Beschwerden erst zu verstärken vermag, bevor es seine heilende Wirkung entfaltet. (sonst wäre es nicht das passende Arzneimittel). Diese Verschlimmerung ist nur von kurzer Dauer. Ihr Auftreten wird außerdem als prognostisch günstig angesehen, da das richtige Medikament eine Reaktion beim Patienten bewirkt. Allerdings muss man die „Erstverschlimmerung“ genau beobachten und von einem Fortschreiten der Krankheit unbedingt unterscheiden, um rechtzeitig Schaden vom Patienten abwehren zu können.
Herstellung homöopathischer Arzneimittel

Besonderen Wert legte Hahnemann auf die Herstellung der homöopathischen Arzneimittel durch Potenzieren. Ursprünglich arbeitete er nur mit starken Verdünnungen seiner aufgrund der Ähnlichkeitsregel verordneten Arzneimittel. Später fand er jedoch heraus, dass er eine deutliche Wirkungsverstärkung seiner Medikamente erreichen konnte, wenn er sie auf eine bestimmte Art und Weise behandelte. Das Potenzieren umfasst eine Kombination aus Verdünnung und Verschüttelung (mit einem Wasser-Alkohol-Gemisch) oder Verreibung (mit Milchzucker) der Pflanzen, Mineralien oder tierischen Bestandteile, um über die materiellen Bestandteile hinaus, die geistig-dynamische Wirkung der Naturkräfte therapeutisch nutzbar zu machen. Hahnemann ging davon aus, dass in erster Linie nicht die materiellen Bestandteile sondern die geistig-dynamischen Kräfte eines Naturmittels, die durch das Potenzieren erst entwickelt werden, für die Heilwirkung verantwortlich sind.
Die Richtlinien zur Herstellung homöopathischer Arzneimittel sind im Homöopathischen Arzneibuch genau festgelegt (HAB 1).
Potenzierungen

Werden 2 Tr. einer Mischung von gleichen Teilen eines frischen Pflanzenpresssaftes und Alkohol mit 98 Tr. eines Wasser-Alkohol-Gemisches verdünnt und dann mehrmals stark geschüttelt, so erhält man die erste Centesimal-Potenz oder C1 (=1/100). Nimmt man von dieser C1-Lösung 1 Tr. und verdünnt und verschüttelt ihn mit 99 Tr. des Wasser-Alkohol-Gemisches, so ergibt das eine C2-Potenz. Erneut 1 Tr. von der C2 in der beschriebenen Weise potenziert führt zu C3. C3 enthält nur noch 1/100 x 1/100 x 1/100 = ein Millionstel der Ausgangssubstanz. Auf ähnliche Weise werden Verreibungen mit Milchzucker hergestellt. Hahnemann potenzierte gewöhnlich maximal bis C30.
Erst in fortgeschrittenem Lebensalter entwickelte Hahnemann die LM-Potenzen , die auf der Basis der Verdünnung 1:50 000 hergestellt und auch als Q-Potenzen bezeichnet werden.
Ab der Potenz D30 bzw. C12 ist mit größter Wahrscheinlichkeit kein materielles Molekül der Ausgangssubstanz mehr in der Trägerlösung vorhanden, sondern nur noch die dynamischen bei der Potenzierung freigesetzten Kräfte, weshalb verschiedene Ärzte eine Behandlung mit Potenzen größer als D30 ablehnen.

In Deutschland sind heute die von Hahnemann nicht verwendeten Dezimalpotenzen (Verdünnung 1:10 und anschließende Verschüttelung oder Verreibung) gebräuchlicher als die C- oder LM-Potenzen.

Homöopathika sind heute als Lösungen (dilutio oder dil.), Milchzuckertabletten (Tbl.), Milchzuckerverreibungen (trituratio oder trit.), Rohrzuckerkügelchen (globuli oder glob.) und Injektionen (Amp.) erhältlich.
Tabletten und Dilutionen werden gewöhnlich bei tiefen Potenzen, meist D1- D12 oder C1-C12, verordnet, Globuli bei hohen Potenzen ab D30 oder C30, ebenso bei LM-Potenzen.

Es gilt die Grundregel, dass niedrige Potenzen häufiger (z.B. 3x1Tbl. für 2 Wochen) und Hochpotenzen selten (1x in 2 Wochen) gegeben werden.
Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Dosierung nicht von theoretischen Mutmaßungen, sondern von der Erfahrung des Verordners und der individuellen Erregbarkeit des Patienten abhängig ist.

Werden verschiedene homöopathische Einzelmittel mit ähnlicher Wirkungseinrichtung zu einem Präparat vereinigt, so bezeichnet man dieses als Komplexmittel. Eine synergistische also sich ergänzende Wirkung der verschiedenen Einzelmittel wird angenommen, ist aber nicht bewiesen. Hahnemann betonte die Gabe von Einzelmitteln und lehnte die Verwendung von Komplexmitteln ab. Jedoch hat sich die Komplexmittelhomöopathie als durchaus wirksam und hilfreich im naturheilkundlichen Alltag herausgestellt Es gibt zahlreiche homöopathische Komplexmittel als industriell hergestellte Fertigarzneimittel, z.B. die Pentarkane® der deutschen Homöopathischen Union(DHU), die Oligoplexe® der Firma Madaus und die Similiaplexe der Firma Pascoe.
Anwendungsgebiete und Kontraindikationen der Homöopathie

Die Domäne der Homöopathie sind alle Krankheiten, die der Selbstregulation des Organismus zugänglich sind. Dazu gehören
- Funktionelle Erkrankungen. (z.B. Reizdarmsyndrom)
- Psychosomatische Erkrankungen. (z.B. Migräne, nervöse Herzbeschwerden,..)
- Psychische Erkrankungen (z.B. Neurosen)
- Infektionskrankheiten (z.B. Masern)
- Chronisch entzündliche und degenerative Erkrankungen (z.B.Colitis)
- Bei organisch manifesten Erkrankungen (z.B. Arthrose) kann zwar nicht der Organschaden     behoben, aber die Beschwerden gelindert werden.
Kontraindikationen der Homöopathie

Als absolute Kontraindikation gilt die Gabe eines Mittel (z.B. Honigbiene) als Tiefpotenz - bis maximal D12 - wenn eine entsprechende Allergie (z.B. Bienengiftallergie) vorliegt.

Als relative Kontraindikation gelten
- Erkrankungen,die eine Substitutionstherapie erfordern (z.B.Diabetes mellitus Typ 1)
- Akute Krankheitszustande, die aus vitalen Indikationen oder zur Vermeidung von Spätfolgen   eine rasche schnell wirksame Behandlung erfordern und für die es bewährte Therapien in   der Schulmedizin gibt (z.B. akuter Herzinfarkt)
- Erkrankungen,die aufgrund der Schwere des Krankheitsbildes eine Suppressionstherapie   erfordern (z.B. schweres allergisches Asthma, allergischer Schock)
- Hochpotenztherapie von Erkrankungen, bei denen eine Erstverschlimmerung nicht riskiert   werden kann.
- Unzureichende Reaktionsfähigkeit des Organismus durch Alter, lange, schwere Vorerkrankung    oder durch die Selbstregulation blockierende Medikamente (z.B. Kortison,Immunsuppressiva)   da eine verminderte Wirksamkeit der homöopathischen Therapie dadurch bedingt sein kann.
- Organische Erkrankungen bei denen eine lebensbedrohliche  Verschlechterung    vorprogrammiert ist (z.B. Malignome)

Grundsätzlich ist es aber auch möglich bei allen Krankheiten mit einer relativen Kontraindikation eine begleitende unterstützende homöopathische Therapie durchzuführen.
Wirksamkeit der Homöopathie

Bereits im 19. Jahrhundert hatte sich die Homöopathie  bei der Cholerabehandlung und im Zweiten Weltkrieg auch bei der Behandlung von Senfgasverätzungen als wirksam erwiesen.
Das erste homöopathische Krankenhaus wurde 1849 in London gegründet. Verantwortlich dafür war  Dr. Quin, ein Arzt der selbst durch die Homöopathie von der Cholera geheilt wurde.
Seit 1950 wird die Homöopathie in England  als anerkannte Heilmethode vom staatlichen Gesundheitsdienst angeboten, was sicherlich auch auf den positiven Einfluss des englischen Königs-hauses zurückzuführen ist. In England gibt es heute 6 homöopathische Krankenhäuser und viele homöopathische Privatkliniken.
Auch in Deutschland gab es verschiedene Chefärzte, die in Ihren Krankenhäusern homöopathische Behandlungen durchführten, Nachwuchsmediziner ausbildeten und ihre Erfahrungen in verscheidenen Büchern festhielten. Dazu zählt Privatdozent Dr.med. Dr.Phil Karl Saller, 1946 ärztlicher Direktor des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart und Dr. med. Fritz Donner 1947 leitender Arzt der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses Berlin-Wannsee.
Inzwischen wird die Homöopathie in  Deutschland überwiegend in spezialisierten Arztpraxen und von Heilpraktikern ausgeübt.

Obwohl langjährige und mannigfache positive Erfahrungen von Homöopathen und ihren Patienten vorliegen, wird immer wieder ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis gefordert, wenn die Homöopathie noch mehr Anerkennung und Anwendung im medizinischen Alltag finden will.
Im Jahr 1986 konnte mit kontrollierten klinischen Studien eine vorbeugende Wirkung homöopathischer Mittel bei Heuschnupfen nachgewiesen werden.
1995 stellten Wissenschaftler der Universität Glasgow / Schottland  in ebenfalls kontrollierten klinischen Studien fest, dass C30-Potenzen aus Pollen und Hausstaub bei der Behandlung von Heuschupfen und Asthma wirksamer sind als eine Scheinbehandlung mit Placebos.